8. Impuls


In der christlichen Welt sein – Gibt es so etwas wie Einheit im Christentum?


Eva Krumnacker, 08.03.23

In was für einer Welt leben wir?

Gibt es eine Einheit in unserer Religion? katholisch, evangelisch, orthodox, fundamentalistisch - Ist das noch derselbe Glaube?

Fragen über Fragen – wir wollen diesen nachgehen. Willkommen zum Glutzeit-Impuls.

 

Ich bin anders. Du bist anders. Wir sind alle anders.

Wenn wir uns als Christ:innen bezeichnen, verbindet uns der Glaube an einen* Gott*, die Auferstehung seines Sohnes und der Glaube an Nächstenliebe – kurz runtergebrochen. Aber darüber hinaus gibt es eine Menge Punkte, die uns innerhalb des Christentums unterscheiden. Es gibt traditionelle, liberale, konservative, experimentelle und noch ganz andere Christ:innen. Jegliches Alter, jegliches Geschlecht, jegliche Ausrichtung.

 

In Schönstatt darf ich beobachten, wie unterschiedliche christliche Personen zusammenkommen und ihren Glauben feiern. Ihre gemeinsame Basis: Gott, Jesus, der Heilige Geist, die Gottesmutter (MTA), Schönstatt und die Werte dahinter. Für den einen haben die schönstättischen Werte einen besonders hohen Stellenwert im Leben, die andere genießt die schönstättische Gemeinschaft und ihre Form, Glauben in den Alltag zu integrieren. Wir sind unterschiedlich und jede Person hat ihren eigenen persönlichen Glauben.

 

Nun ist die Schönstattbewegung ein kleiner Teil der Katholischen Kirche. Viele Katholik:innen, mit denen ich in den letzten Jahren gesprochen habe, kennen die Schönstattbewegung überhaupt nicht. Denn die Katholische Kirche schließt so viele Gemeinschaften mit ein. Da sind zum Beispiel die vielen Jugendverbände, wie der BDKJ, katholische Hochschulgemeinden, Pfadfinderstämme, Bewegungen, Kirchengemeinden in ganz Deutschland. Alle gehen sie auf die katholische Kirche zurück, sind aber in ihren Ausrichtungen verschieden. Sich einen Überblick zu verschaffen ist herausfordernd (ich habe es versucht – anstrengende Sache). Die Katholische Kirche ist aber nicht nur in Deutschland vertreten. Schon die Bezeichnung katholisch verweist auf eine weltweite Gemeinschaft.

 

Christentum ist nicht gleich Katholizismus. Viele Menschen in Deutschland, mit denen ich gesprochen habe, denken in den „Kategorien“ katholisch und evangelisch, wenn es um Kirche geht. Aber ich durfte erkennen, dass es weitaus mehr gibt. Da wären zum Beispiel noch Orthodoxe, Evangelikale und Freikirchen. Schon bei den Freikirchen in meiner Heimatstadt habe ich das Gefühl, dass sich viele in ihrer Ausrichtung stark unterscheiden. Die einen sind fundamentale Christ:innen, andere sind liberal ausgerichtet. Die Gottesdienstformen unterscheiden sich stark von dem, was ich gewohnt bin.

 

Und jetzt blicken wir mal auf die ganze Welt. So viele christliche Gruppierungen, Strömungen und Kirchen – da wird einem ganz schwindlig. Diskussionen über LGBTQ+, körperliche Anziehung, den Stellenwert der Bibel und viele weiter Themen zeigen auf, wie unterschiedlich wir in unseren Meinungen sind. Bietet der Glaube nicht eigentlich einen moralischen Kompass für das Leben? Aber wie können unsere Meinungen dann so unterschiedlich sein? Und ich stelle mir zunehmend die Frage: Sind wir noch in derselben Religion? Ist das derselbe Glaube? Wie kann das sein?

 

Ich habe immer wieder das Gefühl, dass wir im Christentum über einander urteilen. Die katholische Kirche bezieht sich zu sehr auf ihre Traditionen und zu wenig auf die Bibel; die Protestanten nehmen den Glauben nicht ernst genug; Orthodoxe sind zu exklusiv und Freikirchen verstecken altmodische Regeln mit modernem Worship. Habe ich alles schon gehört. Von christlichen Personen. Die Liste der Vorurteile ist lang.

Ich denke wir müssen uns immer wieder eine Sache bewusst werden:

Ich bin anders. Du bist anders. Wir sind alle anders. Aber im Grunde macht uns das nicht verschieden, sondern gleich. Denn Diversität bedeutet auch Einheit. Und ist Vielfalt nicht auch etwas Schönes? 

 

Kirche lebt von Vielfalt. Von Diversität. Jede Person ist wichtig und gesehen. Und jeder Mensch erlebt Glauben anders. Für den einen ist der katholische Gottesdienstablauf mit Fürbitten, Friedensgruß und Eucharistie genau das, was ihm eine Routine im Glauben gibt. Jemand anderes fühlt sich Gott in der Musik nah und feiert deswegen den Worship in der Freikirche. Ob in einem Hauskreis mit 3 weiteren Personen oder auf der Nacht des Heiligtums mit 500 – da wo du dich wohlfühlst, ist dein Platz. Wie du Glauben (er)lebst, steht dir frei. Das Angebot für Christ:innen ist vielfältig, sodass jeder Mensch seinen Platz finden kann. Denn Diversität bedeutet Einheit. Und Vielfalt IST etwas Schönes!

 

 

Wir legen diese Gedanken in Gottes Hände und beschließen den Impuls - im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes - Amen.